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5 häufige Accessibility-Fehler, die fast jede Website macht

01.04.2026

Katja Hazod

Bei Accessibility-Audits begegnen uns immer wieder dieselben Fehler — unabhängig davon, ob wir eine Vereinsseite, einen Online-Shop oder den Auftritt eines mittelständischen Unternehmens prüfen. Diese fünf kennen wir auswendig. Und fast alle lassen sich mit überschaubarem Aufwand beheben.

Fehlende oder nichtssagende Alt-Texte

Alt-Texte sind die Textalternativen, die Screenreader vorlesen, wenn sie auf ein Bild stoßen. Fehlen sie, hört ein blinder Nutzer entweder gar nichts — oder schlimmer: den rohen Dateinamen des Bildes, zum Beispiel IMG_0391.jpg. Das ist nutzlos und frustrierend.

Häufig angetroffene Varianten des Fehlers: kein Alt-Attribut vorhanden, Alt-Text lautet „Bild“, „Foto“ oder „image“, oder es wurde schlicht der Dateiname übernommen.

Falsch

<img src="team.jpg" alt="Bild">

Richtig

<img src="team.jpg" alt="Das MyWebsiteService-Team beim Beratungsgespräch in München">

So beheben Sie es

Jedes informationstragende Bild braucht einen beschreibenden Alt-Text, der den Bildinhalt oder -zweck erläutert. Rein dekorative Bilder — Hintergründe, Trennlinien, Schmuckgrafiken — erhalten alt="" (leeres Attribut), damit Screenreader sie bewusst überspringen. In WordPress: Alt-Text beim Bild-Upload im Medienbereich eintragen.

Unzureichende Farbkontraste

Hellgrauer Text auf weißem Hintergrund wirkt modern und aufgeräumt — für Menschen mit Sehschwäche, Farbfehlsichtigkeit oder bei Sonnenlicht auf dem Bildschirm ist er schlicht nicht lesbar. Schlechte Kontraste gehören zu den am häufigsten festgestellten WCAG-Verstößen weltweit.

WCAG 2.2 AA fordert mindestens 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für großen Text (ab 18pt unformatiert oder 14pt fett). Besonders häufig unterschritten: graue Subtexte, Placeholder-Text in Formularen und helle Buttons auf weißem Hintergrund.

Zu wenig (2,9:1)

#999999 auf #ffffff — sieht gut aus, ist aber nicht konform

Ausreichend (7,0:1)

#595959 auf #ffffff — klar lesbar für alle

So beheben Sie es

Prüfen Sie alle Text-Hintergrund-Kombinationen mit dem kostenlosen WebAIM Contrast Checker. Besondere Aufmerksamkeit: Grau auf Weiß, gelbe oder hellblaue Texte, helle CTA-Buttons. Passen Sie die Farben in Ihrem Avada Global Colors-System einmalig an — dann gilt die Korrektur sofort auf der gesamten Website.

Formulare ohne zugängliche Labels

Viele Formulare setzen auf Platzhaltertext im Eingabefeld statt auf echte Labels. Das Problem: Sobald der Nutzer zu tippen beginnt, verschwindet der Hinweistext — und wer das Formular mit einem Screenreader oder der Tastatur navigiert, weiß nicht mehr, was das Feld erwartet. Noch gravierender: Manche Formulare haben gar kein Label-Element, sondern nur visuellen Text in der Nähe des Feldes, der technisch nicht mit dem Eingabefeld verknüpft ist.

Falsch

<input type="text" placeholder="Ihr Name" />

Richtig

<label for="name">Ihr Name</label>
<input id="name" type="text">

So beheben Sie es
Jedes Formularfeld braucht ein <label>-Element mit passendem for-Attribut, das auf die id des Eingabefelds verweist. Platzhaltertexte können zusätzlich vorhanden sein, ersetzen aber niemals ein Label. Fehlermeldungen müssen textuell beschreiben, was falsch ist — nicht nur rot hervorgehoben werden.

Unsichtbarer oder fehlender Fokus-Indikator

Viele Websites unterdrücken den Standard-Fokusrahmen des Browsers mit outline: none — weil er „störend“ aussieht. Das Ergebnis: Wer die Website ausschließlich mit der Tastatur navigiert (Menschen mit motorischen Einschränkungen, aber auch Power-User), sieht nicht mehr, wo sie sich auf der Seite befinden. Es gibt buchstäblich keinen Cursor.

In WCAG 2.2 wurde das Fokus-Kriterium deutlich verschärft: Der Fokus-Indikator muss eine Mindestgröße haben und ausreichend kontrastreich sein — nicht nur irgendwie sichtbar.

So beheben Sie es

Niemals outline: none oder outline: 0 verwenden, ohne eine vollwertige Alternative zu definieren. Stattdessen einen eigenen, gut sichtbaren Fokus-Stil setzen:

:focus-visible { outline: 3px solid #1a4a2e; outline-offset: 3px; border-radius: 2px; }

Der Selektor :focus-visible sorgt dafür, dass der Fokusrahmen nur bei Tastaturnavigation erscheint, nicht bei Mausklicks — das ist die moderne, saubere Lösung.

Unstrukturierte oder übersprungene Überschriften-Hierarchie

Für Screenreader-Nutzer sind Überschriften das wichtigste Navigationsmittel auf einer Seite — wie ein Inhaltsverzeichnis, durch das man mit einer Taste springen kann. Wenn Überschriften-Tags aus rein optischen Gründen gewählt werden (z.B. <h4>, weil es die passende Schriftgröße hat), bricht diese Struktur zusammen. Genauso problematisch: Seiten mit gar keiner <h1>, oder solche mit drei <h1>-Tags auf einmal.

Falsch

h1 → h4 → h2 → h5
(nach optischen Kriterien)

Richtig

h1 → h2 → h3 → h2
(logisch verschachtelt)

So beheben Sie es

Jede Seite hat genau eine <h1> (der Haupttitel). Abschnitte sind <h2>, Unterabschnitte <h3> usw. Die Schriftgröße steuern Sie per CSS — unabhängig vom Tag. Im Avada Fusion Builder lassen sich HTML-Tag und visuelle Größe für jedes Heading-Element separat einstellen. Prüfen Sie die Struktur mit der kostenlosen Browser-Extension HeadingsMap.

Schnelltest für Ihre eigene Website

  1. Schließen Sie die Maus weg und navigieren Sie Ihre Website 5 Minuten lang nur mit der Tab-Taste. Kommen Sie überall hin? Sehen Sie immer, wo Sie sind?
  2. Öffnen Sie den Lighthouse-Audit in Chrome (Entwicklertools → Lighthouse → Accessibility) und schauen Sie, welche Punkte rot markiert sind.
  3. Prüfen Sie Ihre wichtigste Textfarbe auf Ihrem häufigsten Hintergrund im WebAIM Contrast Checker.
  4. Installieren Sie HeadingsMap und schauen Sie, ob Ihre Überschriften-Hierarchie logisch aufgebaut ist.

Wichtig: Alle fünf Fehler sind behebbar — manche in 10 Minuten, andere brauchen etwas mehr Aufwand. Entscheidend ist, anzufangen. Barrierefreiheit muss nicht von Anfang an perfekt sein, um spürbare Verbesserungen zu bringen.

Über MyWebsiteService

MyWebsiteService ist die Münchner Agentur von Katja Hazod — seit 2012 an der Seite von Unternehmen, NGOs und Selbständigen. Der Fokus auf barrierefreies Webdesign begann 2018 mit einer Anfrage eines Gehörlosen-Verbands. Seitdem sind wir beflügelt von der Idee, jede Website für wirklich jede Person zugänglich zu machen — mit viel Liebe, Empathie und Wertschätzung.

Unsere Werte: wertschätzend · offen · ehrlich · liebevoll
Unser Motto: Liebe. Lebe. Lache.

Wollen Sie wissen, welche dieser Fehler auf Ihrer Website stecken? Wir prüfen das im Rahmen eines kostenlosen Erst-Checks — schnell, konkret und ohne Verpflichtung.

Häufig gestellte Fragen zum BFSG

Wie stelle ich sicher, dass die Überschriften-Hierarchie stimmt?

Im Fusion Builder kann beim Heading-Element das HTML-Tag (h1 bis h6) unabhängig von der visuellen Schriftgröße eingestellt werden. Wichtig: pro Seite genau eine h1, dann logisch verschachtelte h2 und h3. Die Browser-Extension „HeadingsMap“ hilft beim schnellen Prüfen.

Was ist der Unterschied zwischen dem Fusion Builder und dem Gutenberg-Editor?

Gutenberg ist der native WordPress-Editor mit Block-Prinzip. Der Avada Fusion Builder bietet deutlich mehr Gestaltungsoptionen pro Element, globale Einstellungen für Farben und Schriften sowie engere Integration mit dem Avada-Theme. Für komplex gestaltete Seiten mit hohem Designanspruch bietet der Fusion Builder mehr Möglichkeiten.

Kann ich als Kunde den Fusion Builder selbst bedienen?

Ja. Der Fusion Builder ist so aufgebaut, dass Kunden nach einer kurzen Einweisung Texte, Bilder und viele Layoutelemente selbst bearbeiten können. Wir konfigurieren Avada dabei so, dass nur die für den Kunden relevanten Bereiche editierbar sind — das verhindert versehentliche Änderungen am Design.

Ist der Avada Fusion Builder von Haus aus barrierefrei?

Der Fusion Builder liefert eine gute Grundlage: Die generierten Elemente verwenden semantisches HTML und grundlegende ARIA-Attribute. WCAG 2.2 AA-Konformität erfordert jedoch zusätzlich korrekte Konfiguration — Alt-Texte, zugängliche Formularlabels, korrekte Überschriften-Hierarchie. Diese Konfiguration ist im Fusion Builder gut möglich, passiert aber nicht automatisch.

Was ist eine Tastaturfalle?

Eine Tastaturfalle entsteht, wenn ein Nutzer, der ausschließlich die Tastatur verwendet, in einen Bereich der Website gelangt — z.B. ein Modal oder Dropdown — und diesen nicht mehr verlassen kann. Das passiert häufig, wenn Dialoge den Fokus nicht korrekt einfangen und beim Schließen zurückgeben.

Warum sind fehlende Alt-Texte so problematisch?

Ohne Alt-Text hören Screenreader-Nutzer entweder gar nichts oder den Dateinamen des Bildes — beides ist nutzlos. Zusätzlich können Suchmaschinen das Bild nicht indexieren. Fehlende Alt-Texte sind einer der häufigsten und gleichzeitig am einfachsten zu behebenden Accessibility-Fehler.

Was ist ein ausreichender Farbkontrast nach WCAG?

WCAG 2.2 AA fordert mindestens 4,5:1 für normalen Text und 3:1 für großen Text (ab 18pt unformatiert oder 14pt fett). Mit dem kostenlosen WebAIM Contrast Checker lassen sich Farbkombinationen schnell prüfen.

Wie finde ich Accessibility-Fehler auf meiner Website?

Kostenlose Tools wie WAVE oder der Lighthouse-Audit in Chrome geben einen ersten Überblick. Wichtig: Diese Tools erkennen nur ca. 30–40 % aller Barrieren. Der Rest erfordert manuelles Testing — mit einem echten Screenreader und vollständiger Tastaturnavigation.

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